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Leitfähige Compounds sind für eine Vielzahl an Anwendungen relevant, die sowohl eine elektrische als auch thermische Leitfähigkeit erfordern. Wir erklären Ihnen, welche Vorteile Graphit als Füllstoff in Kunststoff-Compounds bietet.
Kurzer Überblick
Compounds werden eingesetzt, um Kunststoffe gezielt an technische Anforderungen anzupassen. Durch die Kombination von Polymeren mit speziellen Füllstoffen lassen sich Eigenschaften wie die Leitfähigkeit, das Gewicht, die Stabilität oder die Beständigkeit gezielt steuern. Je nach Anwendung kommen dafür unterschiedliche Additive zum Einsatz. Eine besondere Rolle spielt dabei der Rohstoff Graphit, der sowohl thermische als auch elektrische Leitfähigkeiten ermöglicht und so funktionale, leistungsfähige Kunststofflösungen bietet.
Elektrische Leitfähigkeit
Zur kontrollierten Ableitung elektrischer Ladungen und definierten Leitfähigkeiten.
Thermische Leitfähigkeit
Zur gezielten Wärmeableitung und zum Schutz vor Überhitzung von Bauteilen.
Unter leitfähigen Compounds versteht man Kunststoffe, deren Eigenschaften gezielt durch die Zugabe spezieller Füllstoffe verändert und verbessert werden. Im Ausgangszustand sind die meisten Kunststoffe wenig leitfähig, weder für elektrischen Strom noch für Wärme. Um sie dennoch für technische Anwendungen nutzbar zu machen, werden sie im sogenannten Compoundierprozess mit funktionalen Zusatzstoffen kombiniert. Je nach gewünschter Eigenschaft können dabei unterschiedliche Füllstoffe zum Einsatz kommen:
Compounds sind dabei kein einzelnes Bauteil und auch kein fertiges Produkt, sondern ein homogenes Kunststoffgranulat, das später einfach und staubarm weiterverarbeitet werden kann. Optisch sieht es meist aus wie kleine zylindrische oder linsenförmige Kunststoffpellets aus – ähnlich wie herkömmliches Granulat, nur mit gezielt eingestellten Materialeigenschaften.
Die Leitfähigkeit der Compounds entsteht durch die gezielte Beimischung leitfähiger Füllstoffen, die während des Compoundierprozesses gleichmäßig im Kunststoff verteilt werden. Meist sind diese Füllstoffe mikroskopisch kleine Partikel, Fasern oder plättchenförmige Strukturen, die sich im Kunststoff zu einem zusammenhängenden Netzwerk verbinden. Der ursprünglich isolierende Kunststoff dient dabei als Trägermaterial, während die Füllstoffe die leitfähigen Eigenschaften einbringen. Auf diese Weise lassen sich nicht leitfähige Kunststoffe funktional erweitern und für technische Anwendungen nutzbar machen.
Leitfähige Compounds lassen sich grundsätzlich in drei Hauptarten einteilen, abhängig davon, welche funktionale Eigenschaft im jeweiligen Anwendungsfall benötigt wird.
Graphit zählt zu den wichtigsten leitfähigen Füllstoffen in Compounds. Durch seine plättchenartige Struktur kann Graphit besonders gut zusammenhängende Netzwerke im Kunststoff ausbilden, über die Wärme effizient weitergeleitet wird. Reiner Graphit besitzt eine sehr hohe thermische Leitfähigkeit von etwa 140 W/(m·K). In Kunststoff-Compounds wird dieses Potenzial genutzt, wobei die erreichbare Wärmeleitfähigkeit naturgemäß unterhalb des Wertes von reinem Graphit liegt, da der Graphit in den nicht leitfähigen Kunststoff eingebettet ist. Gleichzeitig lässt sich die thermische Leitfähigkeit von graphitgefüllten Compounds aber gezielt und reproduzierbar einstellen, insbesondere über den Füllgrad sowie die Auswahl der eingesetzten Graphitsorte, sodass anwendungsspezifische Wärmemanagement-Lösungen realisiert werden können.
Außerdem besitzt Graphit eine elektrische Leitfähigkeit von etwa 10³ bis 10⁴ S/m. In elektrisch leitfähigen Compounds kann Graphit einen wichtigen Beitrag leisten, um elektrische Ladungen gezielt abzuleiten oder definierte elektrische Leitfähigkeiten im Kunststoff einzustellen. Auch hier beeinflussen sowohl der Füllgrad als auch die verwendete Graphitsorte maßgeblich die resultierenden elektrischen Leitfähigkeiten der Compounds.
Insbesondere im Vergleich zu Metallen oder anderen klassischen Füllstoffen bietet Graphit eine Reihe überzeugender Vorteile. Diese machen ihn zu einem vielseitig einsetzbaren Füllstoff für Kunststoff-Compounds und prädestinieren ihn für vielseitige technische Anwendungen.
Graphit ist im Vergleich zu anderen leitfähigen Materialien wie Metallen deutlich leichter. Wird Graphit als Füllstoff in Compounds eingesetzt, ermöglicht er die Herstellung von gewichtseffizienten Bauteilen, ohne auf funktionale Eigenschaften wie die thermische oder elektrische Leitfähigkeit verzichten zu müssen.
Graphitgefüllte, leitfähige Compounds zeigen auch bei sehr hohen Temperaturen eine zuverlässige Leitfähigkeit. Natürlicher Graphit ist äußerst hitzebeständig und bleibt in sauerstofffreier Atmosphäre bei Temperaturen bis zu 3000 °C stabil. In Kombination mit Kunststoffen kann diese Eigenschaft genutzt werden, um thermisch leitfähige Compounds zu entwickeln, die auch unter anspruchsvollen Bedingungen ihre Funktion behalten. Während metallische Füllstoffe bei hohen Temperaturen zu Oxidation oder Eigenschaftsänderungen neigen und Ruß im Vergleich nur eine begrenzte Wärmeleitfähigkeit bietet, trägt Graphit dazu bei, die thermische Stabilität und Funktionssicherheit der Compounds auch bei kontinuierlicher Wärmebelastung zu erhöhen.
Zusätzlich zu seiner thermischen Stabilität ist Graphit auch gegenüber zahlreichen chemischen und umweltbedingten Einflüssen äußerst beständig. In Compounds trägt diese Eigenschaft dazu bei, Bauteile zuverlässig vor aggressiven Medien und Umwelteinflüssen zu schützen. Dank der hohen Korrosionsbeständigkeit bleiben die elektrische und thermische Leitfähigkeit auch dann stabil, wenn Bauteile mit Säuren, Laugen oder Feuchtigkeit in Berührung kommen.
Durch die gute Verarbeitbarkeit und einfache Formbarkeit bieten leitfähige Compounds auf Graphitbasis eine hohe Flexibilität und Designfreiheit. Im Vergleich zu klassischen leitfähigen Materialien lassen sich Kunststoffe mit graphithaltigen Füllstoffen in nahezu beliebige Formen bringen. Dadurch können selbst anspruchsvolle und komplexe Leitfähigkeitsanforderungen gezielt umgesetzt und an spezifische technische Vorgaben angepasst werden.
Im Vergleich zu metallischen Werkstoffen weisen Graphit-Compounds deutlich bessere dämpfende Eigenschaften gegenüber Schwingungen und Geräuschen auf. Durch die Kombination aus Kunststoff und Graphit können Vibrationen und Körperschall meist effektiv reduziert werden. Diese Eigenschaft trägt insbesondere in technischen Anwendungen dazu bei, Geräuschentwicklungen zu minimieren und die Betriebsruhe von Bauteilen zu verbessern.
Wird natürlicher Graphit eingesetzt, können leitfähige Compounds auch aus nachhaltiger Perspektive überzeugen. Naturgraphit ist ein mineralischer Rohstoff, der ohne aufwendige chemische Synthese gewonnen wird und damit eine ressourcenschonendere Alternative für viele Leitfähigkeitsanwendungen darstellt. Graphit ist ein umweltfreundliches, mineralbasiertes Material, das frei von Halogenen ist. Die von uns in Compounds eingesetzten Graphite erfüllen zudem die Anforderungen der REACH-Verordnung.
Der Füllgrad beschreibt den Anteil der leitfähigen Füllstoffe im Kunststoff-Compound und ist ein entscheidender Parameter zur gezielten Einstellung der Materialeigenschaften. Je nach Füllgrad lassen sich unter anderem die thermische und elektrische Leitfähigkeit, aber auch die Verarbeitbarkeit sowie die mechanischen Eigenschaften beeinflussen. Auf diese Weise können die leitfähigen Compounds passgenau für die jeweilige Anwendung hergestellt werden.
So gibt es beispielsweise Graphit-Compounds mit sehr hohen Füllgraden von bis zu 90 Gew.-%, die Wärmeleitfähigkeiten von über 20 W/(m·K) erreichen. Trotz des hohen Anteils lassen sich diese Compounds weiterhin gut verarbeiten und zeigen nur eine geringe Beeinflussung der mechanischen Eigenschaften. In anderen Anwendungen sind hingegen niedrigere Füllgrade erforderlich. Durch den Einsatz ultradünner Graphitpartikel können bereits bei Graphitkonzentrationen von etwa 10 bis 30 % thermische Leitfähigkeiten von über 2 W/(m·K) erzielt werden. Gleichzeitig lässt sich über den Füllgrad auch die elektrische Leitfähigkeit beeinflussen, sodass diese gezielt von antistatisch bis elektrisch leitfähig eingestellt werden kann. Welcher Füllgrad erforderlich ist, richtet sich somit nach den gewünschten Eigenschaften sowie der jeweiligen Anwendung.
Graphit-Compounds ermöglichen die Integration mehrerer Funktionen in einem Bauteil. Neben der Leitfähigkeit übernehmen sie gleichzeitig mechanische Aufgaben, wie die Formgebung, Stabilität und den Schutz des Bauteils. Dadurch lassen sich Bauteile realisieren, die sowohl funktional als auch konstruktiv vielseitig einsetzbar sind. Besonders vorteilhaft sind diese Compounds in Anwendungen, in denen thermische und elektrische Leitfähigkeit gleichzeitig gefordert sind und das Material zudem definierte mechanische, chemische oder thermische Anforderungen erfüllen muss. Der Einsatz erfolgt branchenübergreifend, zum Beispiel in folgenden Anwendungen:
Als Experte für Naturgraphit in industriellen Anwendungen unterstützen wir Sie dabei, den passenden Graphit für Ihre Anwendung zu finden. Über unsere Partner stehen unsere Graphite zudem als individuell entwickelte Kunststoff-Compounds zur Verfügung. So entstehen maßgeschneiderte Lösungen, die gezielt auf thermische und elektrische Leitfähigkeit, Verarbeitbarkeit und die jeweiligen Einsatzbedingungen abgestimmt sind. Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, beraten wir Sie hierzu gerne in einem persönlichen Gespräch.