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Blähgraphit in Hochdruckverfahren zu verarbeiten, war zwar möglich, aber oft mit großen Qualitäts- und Kostenverlusten verbunden. Gemeinsam mit dem weltweit führenden Mischtechnik-Spezialisten Cannon haben wir uns dieser technischen Herausforderung gestellt.
Gemeinsam mit Cannon haben wir eine Lösung entwickelt, die lange als zu komplex galt: die zuverlässige Hochdruckverarbeitung von Blähgraphit ohne Flockenbruch und ohne Qualitätsverlust. Der Maschinenhersteller Cannon hat das EG-AX System entwickelt – mit und für den Blähgraphit von LUH. Unser tiefes Verständnis der Flockenstruktur, der Empfindlichkeiten und der Qualitätsanforderungen an Blähgraphit war die Grundlage, auf der Cannon die Verarbeitungsparameter definieren konnte. Das Ergebnis ist ein Verarbeitungssystem, das Blähgraphit in PU-Schaum unter Hochdruck schützt und damit neue Möglichkeiten im Brandschutz eröffnet.
Problem
Die mechanischen Kräfte im Hochdruckverfahren brechen die Flocken des Blähgraphits, setzen Schwefelsäure frei und gefährden damit sowohl die Prozessstabilität als auch die Flammschutzwirkung.
Lösungsansatz
Mit dem angepassten Cannon EG-AX System soll Blähgraphit in PU-Systemen so schonend verarbeitet werden, dass das Material intakt und die Flammschutzwirkung vollständig erhalten bleibt.
Das Projekt „Hochdruckverarbeitung von Blähgraphit in PU-Schäumen" wurde erst durch die Kombination zweier spezialisierter Partner möglich. LUH bringt das Materialwissen, Cannon die Maschinentechnologie. Hochdruckanlagen sind bereits seit Jahrzehnten das Kerngeschäft des italienischen Anlagenbauers. Dass Blähgraphit dabei vermehrt in den Fokus rückt, liegt am regulatorischen Wandel: Halogenierte Flammschutzmittel verschwinden vom Markt und die Anforderungen an den Brandschutz steigen. Daher braucht es nicht nur die richtige Maschine, sondern auch das richtige Material – und das Wissen, wie beides zusammenwirkt.
Cannon Afros ist ein Unternehmen der Cannon Group und weltweit führender Anbieter von Misch- und Dosiersystemen und Verarbeitungstechnologien für Polyurethane und Mehrkomponentenharze. Mit dem EG-AX System entwickelte das Unternehmen eine Hochdruck-Schäummaschine mit integriertem Mehrkomponenten-Mischkopf, das speziell für die schonende und zuverlässige Verarbeitung von Blähgraphit unter industriellen Hochdruckbedingungen ausgelegt ist.
Wir, die Georg H. Luh GmbH, sind ein deutscher Spezialist für Graphit und insbesondere Blähgraphit. Dabei verstehen wir uns nicht als reiner Lieferant, sondern als Entwicklungspartner. Mit eigenem, ISO-zertifizierten Labor, jahrzehntelanger Erfahrung und einer tiefen Leidenschaft für Graphit entwickeln wir Spezialgraphite für anspruchsvolle industrielle Anwendungen, darunter auch Blähgraphit als Flammschutzmittel für Polyurethanschäume.
Der Markt für Flammschutzmittel ist im Umbruch. Halogenierte Flammschutzmittel werden zunehmend eingeschränkt oder verboten, was die Industrie in Richtung halogenfreier, mineralischer Lösungen drängt. Blähgraphit ist ein solches mineralisches Additiv, das als hochwirksames, natürliches Flammschutzmittel funktioniert. Seine Besonderheit liegt in einem einzigartigen physikalischen Mechanismus: Bei Hitzeeinwirkung dehnen sich die Graphitschichten auf das bis zu 300-fache ihres ursprünglichen Volumens aus und bilden eine schützende Intumeszenzschicht auf der Materialoberfläche. Diese Schutzbarriere verlangsamt die Brandausbreitung, schützt das darunterliegende Material und minimiert die Entstehung giftiger Gase. Und im Gegensatz zu chemischen Systemen wirkt dieser physikalische Mechanismus ganz ohne schädliche Halogene oder flüchtige Substanzen.
Polyurethan (kurz PU) ist ein organisches Polymer und eines der vielseitigsten Materialien der Industrie. Es bietet höchste Leistung bei der Wärme- und Schallisolierung und überzeugt in Sitzanwendungen durch seinen hohen Komfortfaktor. Typische Einsatzbereiche sind:
Aufgrund seiner chemischen Zusammensetzung ist PU-Schaum von Natur aus jedoch höchst brennbar. Im Brandfall werden zudem gefährliche Gase wie Kohlenmonoxid und Blausäure freigesetzt. Für die Sicherheit von Menschen gelten daher gesetzliche Brandschutzanforderungen und Normen wie:

Ist Blähgraphit das Flammschutzmittel der Wahl, wird es direkt in die Schaumformulierung eingemischt und im Mischkopf der Schäummaschine verarbeitet. Genau hier beginnt die eigentliche Herausforderung.
PU-Schäume entstehen durch eine chemische Reaktion zwischen den zwei Komponenten Polyol und Isocyanat, die in einem präzisen Verhältnis gemischt werden. Dies kann durch mechanisches Mischen (Niederdruck) oder durch Gegenstromdüsen (Hochdruck) erfolgen. Während die Niederdruckmischung typischerweise für Blockschäume eingesetzt wird, ist die Hochdruckmischung die Standardtechnik für Formschäume wie Zugsitze oder Motorabdeckungen. Sie ermöglicht komplexe Bauteilgeometrien, kürzere Zykluszeiten und einen effizienteren Materialeinsatz und ist damit für viele industrielle Anwendungen schlicht nicht ersetzbar.
Doch die Zugabe von Blähgraphit als Flammschutzadditiv in diesen Prozess erfordert besonderes Fachwissen. Denn trotz seiner herausragenden Flammschutzleistung ist Blähgraphit ein äußerst empfindliches Material. Die Wirkung steht und fällt jedoch mit der Intaktheit jeder einzelnen Flocke. Im Hochdruckverfahren wird genau das zur Herausforderung. Die Kombination aus hohen Scherkräften und Rezirkulation am Mischkopf kann die Graphitflocken brechen und die darin gespeicherte Schwefelsäure freisetzen. Das hat direkte Auswirkungen auf Prozess und Produkt:
Eine reduzierte Flammschutzwirkung durch gebrochene Blähgraphitflocken zwingt Hersteller zu einer Überdosierung, um die Normkonformität zu gewährleisten. Das treibt Kosten und Bauteilgewicht in die Höhe, ohne das eigentliche Problem zu lösen.
Eine sachgemäße Verarbeitung wie mit dem EG-AX System ermöglicht hingegen eine so schonende Verarbeitung des Graphits, dass die Flammschutzwirkung vollständig erhalten bleibt und eine präzise, normkonforme Dosierung möglich wird.
Mit dem patentierten Mischkopf des EG-AX Systems hat Cannon eine zuverlässige Lösung entwickelt, die eine sichere und effiziente Verarbeitung von Blähgraphit auch unter Hochdruck ermöglicht. Das System wurde 2021 erstmals öffentlich vorgestellt und hat damit neue Möglichkeiten für eine nachhaltigere PU-Produktion eröffnet. Der Maschinenhersteller konzentrierte sich darauf, die Scherbeanspruchung und die Zeit, in der das EG-Polyol-Gemisch durch den Injektor am Mischkopf fließt, zu minimieren.
Das Cannon EG-AX System verfügt über einen patentierten Mehrkomponenten-Mischkopf, der in verschiedenen Größen erhältlich ist. Mit vier separaten Strömen ist er speziell auf die Anforderungen der Blähgraphit-Verarbeitung ausgelegt:
Ausgestattet mit einem speziellen Strömungsverteiler und Injektor verkürzt der Mischkopf die Hochdruck-Recyclingzeit drastisch. Dadurch reduziert sich die Scherbeanspruchung der Blähgraphitflocken erheblich und die Formulierung bleibt in der Schäummaschine bis zu dreimal länger stabil als in herkömmlichen Systemen.
Durch die Erprobung mit dem Blähgraphit GHL PX 98 HE von LUH konnte sichergestellt werden, dass Flockenschäden verhindert werden und Hersteller genau die richtige Menge Blähgraphit in der Formulierung verwenden können, mit der Brandschutztests bestanden werden. Dabei basiert das EG-AX System auf zwei Konzepten zur Reduzierung der mechanischen Beanspruchung der Flocken:
Die Cannon EG-AX Technologie ist bereits in mehreren Branchen im Einsatz und zeigt, wie breit der Anwendungsbereich von Blähgraphit in der Hochdruckverarbeitung ist. Neben Schienenfahrzeug-Sitzschäumen (EN 45545) und Integralschaum-Motorabdeckungen (UL 94 V-0) kommen weitere Anwendungen wie Möbel- und Polsterbauteile (BS 5852 Crib 5/7), Isolierpaneele (EN 13501-1) sowie schalldämpfende Teile und Haushaltsgeräteisolierung hinzu.
Die Zusammenarbeit von LUH und Cannon belegt, dass die Hochdruckverarbeitung von Blähgraphit in PU-Systemen nicht nur technisch möglich, sondern industriell zuverlässig umsetzbar ist. Strenge internationale Brandschutznormen wurden unter realen Produktionsbedingungen erfolgreich bestanden.
Und mit dem wachsendem regulatorischen Druck auf halogenierte Flammschutzmittel steigt der Bedarf an zuverlässigen, halogenfreien Alternativen. Blähgraphit ist diese Alternative. Dank dieses Projekts stellen wir sicher, dass das Material nicht nur verfügbar, sondern auch unter industriellen Hochdruckbedingungen zuverlässig verarbeitbar ist und höchsten Brandschutzanforderungen standhält.
Für LUH bedeutet das mehr als die Materiallieferung. Wir verstehen uns als Entwicklungspartner, der vom Rohstoff bis zur fertigen Anwendung mitdenkt und den Brandschutz von morgen aktiv mitgestaltet.